„Im Namen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken …“

Urteile sowjetischer Militärtribunale (SMT) in Dresden

*29.11.1926 (Lauba Kr. Löbau) | † 28.5.1952 (Moskau (Gefängnis Butyrskaja))

Herbert Proft

Herbert Proft, Passfotografie, undatiert, ZA FSB

Wegen Spionage für den französischen Geheimdienst in Moskau erschossen


Die Eltern des in Lauba bei Löbau geborenen Herbert Proft waren Bauern. Nach Abschluss der 8. Klasse absolvierte er eine Ausbildung zum Glasbläser. Während des Zweiten Weltkrieges diente er von 1943 bis 1945 in der Wehrmacht an der Ostfront, zuletzt im Rang eines Gefreiten.

Am 1. August 1947 trat er in die Volkspolizei ein, wo er seit 15. November desselben Jahres Dienst im 22. Volkspolizeirevier an seinem Wohnort Radeberg versah. Am 19. Dezember 1949 wurde er – inzwischen zum Kommissar befördert – als Leiter der Abteilung Kriminalpolizei zur Grenzkommandantur Pirna versetzt. Aufgrund von Unregelmäßigkeiten, deren Charakter unbekannt ist, folgte im September 1950 die fristlose Entlassung. Bereits während des Dienstes in Pirna war Herbert Proft nach eigenen Angaben für einen westlichen Geheimdienst tätig. Bei einem illegalen Grenzübertritt auf die tschechische Seite wurde er am 20. Oktober 1950 festgenommen und in die Polizeihaftanstalt Pirna eingeliefert, kurze Zeit später jedoch wieder entlassen. Am 28. November floh er nach West-Berlin und bezog später eine Wohnung in Borsigwalde (Bezirk Reinickendorf). Kurz darauf zog seine Ehefrau Irene mit dem gemeinsamen Kind nach. Einer Partei gehörte Herbert Proft nicht an.

Am 21. Januar 1951 richtete Herbert Proft ein Gnadengesuch an den DDR-Präsidenten Wilhelm Pieck mit der Bitte, straffrei in die DDR zurückkehren zu können. Es blieb jedoch unbeantwortet.

Aufgrund von Briefen an mindestens sechs Kollegen bei der Polizei und an Verwandte, in denen er diese im Februar 1951 nach West-Berlin einlud, geriet er in das Blickfeld der DDR-Staatssicherheit. Diese warb unter den Empfängern mehrere Spitzel („Informatoren“) an, darunter den Ehemann der Schwester seiner Ehefrau. Sie beantworteten in Abstimmung mit der Staatssicherheit die Briefe von Herbert Proft und besuchten ihn in Berlin. Anschließend berichteten sie von den Versuchen Profts, der sich als Mitarbeiter westlicher Dienste zu erkennen gab, sie als Agenten anzuwerben. Unter anderem versuchte Herbert Proft durch seine Kontakte zu ihm bekannten Grenzgängern, französische Agenten im Erzgebirge über die deutsch-tschechische Grenze zu schleusen. Während ihrer Besuche identifizierten die Spitzel zugleich frühere Kollegen Profts, die sich hatten anwerben lassen, darunter Profts frühere Sekretärin.

Herbert Proft trat außerdem im RIAS auf und verfasste Pressebeiträge über die Organisation der Grenzpolizei in Sachsen.

Am 27. Oktober 1951 wurde Herbert Proft durch eine frühere Bekannte über die Grenze nach Bergfelde bei Berlin gelockt, festgenommen und umgehend an die sowjetische Geheimpolizei übergeben. Nach gut dreimonatiger Untersuchungshaft verurteilte das Militärtribunal der Gruppe der sowjetischen Besatzungstruppen in Deutschland (Feldpostnummer 48240) Herbert Proft am 7. Februar 1952 in Dresden auf der Grundlage von Artikel 58-6, Abschnitt 1, Artikel 58-10, Abschnitt 2 und Artikel 58-11 des StGB der RSFSR zum Tod durch Erschießen. Am 19. Februar 1952 wurde er in das Gefängnis Berlin-Lichtenberg gebracht und von dort aus nach Moskau transportiert.

In seinem Gnadengesuch gab Herbert Proft an, nach seiner Ankunft in Berlin von westlichen Diensten zu seiner Tätigkeit bei der Polizei vernommen worden zu sein. Außerdem verwies er auf sein Gnadengesuch an Wilhelm Pieck und machte eine materielle Notlage für sein Verhalten geltend.

Das Präsidium des Obersten Sowjets der UdSSR lehnte seine Begnadigung am 24. Mai 1952 ab. Das Todesurteil wurde am 28. Mai 1952 im Butyrka-Gefängnis in Moskau vollstreckt. Ein Massengrab auf dem Friedhof Donskoje in Moskau wurde zur letzten Ruhestätte.

Die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation rehabilitierte Herbert Proft am 12. Oktober 1999 als Opfer politischer Repressionen.

Weitere Dokumente

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Quellen

  • BArch, MfS, BV Dresden, AOP 95/52, Bd. 1+2
  • BArch, MfS, F 16 Karteikarte
  • Staatsarchiv der Russischen Föderation (GARF), f. 7523, op. 76a, d. 91, l. 74-83

Veröffentlichungen

  • "Erschossen in Moskau ..." Die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Moskauer Friedhof Donskoje 1950-1953, hrsgg. von Arsenij Roginskij, Frank Drauschke und Anna Kaminsky, 3. Auflage, Berlin 2008, S. 350 f u. S. 62