„Im Namen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken …“

Urteile sowjetischer Militärtribunale (SMT) in Dresden

*9.11.1896 (Glauchau) | † 3.8.1966

Max Georgi

Max Georgi, Fotografie im Ausweis für Kämpfer gegen den Faschismus, 1947, ZA FSB
Vermerk in der Haftakte, BArch, MfS, G-SKS 300479, Bl. 15

Als überzeugter Sozialdemokrat in zwei Diktaturen verfolgt


Max Georgi wuchs in einer sozialdemokratischen Arbeiterfamilie auf. 1911 beendete er die achtklassige Volksschule und absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Schlosser und Installateur, die er 1914 abschloss. Seit 1916 nahm er am Ersten Weltkrieg teil und wurde im April 1918 durch einen Granatsplitter am Oberschenkel verwundet. Nach seiner Entlassung aus dem Lazarett im Januar 1919 arbeitete er im Überlandwerk Glauchau. Am 19. März 1921 heiratete er Margarete Henschel. Das Paar hatte eine Tochter und einen Sohn.

1922 trat Max Georgi der SPD bei. Von 1928 bis 1933 leitete er die Ortsgruppe Glauchau und war als Stadtverordneter tätig.

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde er festgenommen und zwischen dem 25. Juni 1933 und dem 15. Dezember 1933 im KZ Colditz inhaftiert. Während des Zweiten Weltkrieges diente er zwischen August 1939 und September 1940 in der Wehrmacht, zuletzt im Landesschützenbataillon 4 im Rang eines Gefreiten. Im Rahmen der „Aktion Gitter“, einer Verhaftungswelle gegen ehemalige Sozialdemokraten und Gewerkschafter nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944, wurde er erneut in „Schutzhaft“ genommen und vom 22. August bis zum 30. September 1944 im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Von Oktober 1944 bis Kriegsende im Mai 1945 diente er beim Volkssturm.

Nach Kriegsende war er im Juni 1945 Mitbegründer der SPD in Glauchau und leitete erneut die Ortsgruppe. Zudem wurde er Dezernent für Sozialwesen und 1946 in die Stadtverordnetenversammlung von Glauchau gewählt, wo er als hauptamtlicher Stadtrat wirkte. Am 24. Juni 1947 wurde Max Georgi als „Kämpfer gegen den Faschismus“ anerkannt. Nach der zwangsweisen Vereinigung von SPD und KPD zur SED blieb er zunächst Mitglied der Partei, wurde jedoch im August 1948 ausgeschlossen. Infolgedessen verlor er sein Amt als Stadtrat und nahm seine Arbeit als Elektriker im Überlandwerk wieder auf.

Am 18. Mai 1949 wurde er – nach eigener Vermutung infolge einer Denunziation durch zwei ehemalige NSDAP-Mitglieder – verhaftet. Die sowjetische Geheimpolizei warf ihm systematische antisowjetische Propaganda und die Lobpreisung der Politik der Westmächte unter den Arbeitern des Werkes vor. Während der Verhöre in der sowjetischen Untersuchungshaftanstalt Dresden-Münchner Platz wurde ihm zudem unterstellt, Flugblätter der Schumacher-SPD aus Berlin erhalten zu haben, was er bestritt. Der Chef des SPD-Ostbüros, Stephan Thomas, führte ihn 1952 jedoch auf einer Liste von Vertrauten, die sich in Haft befanden.

Nach fast drei Monaten Untersuchungshaft verurteilte das Militärtribunal der Sowjetischen Militäradministration des Landes Sachsen den 52-Jährigen am 3. August 1949 in Dresden auf Grundlage von Artikel 58-10, Abschnitt 2 des StGB der RSFSR zu zehn Jahren Haft in einem „Besserungsarbeitslager“. Zunächst wurde er in das Speziallager Sachsenhausen verlegt. Nach dessen Auflösung verbüßte er seine Haftstrafe in den DDR-Strafvollzugsanstalten Untermaßfeld und Brandenburg-Görden. In Untermaßfeld sagte er einem Wachtmeister auf die Frage nach dem Grund seiner Inhaftierung: „Nur weil ich ein Sozialdemokrat bin, wurde ich schon im Dritten Reich eingesperrt und jetzt wieder.“

Am 16. Januar 1954 wurde er nach mehr als vier Jahren Haft aus der Strafvollzugsanstalt Brandenburg entlassen. Zehn Tage zuvor war sein Sohn Fritz wegen Fluchthilfe und sogenannter Boykotthetze verhaftet und zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden.

Nachdem sein Sohn amnestiert worden war, floh die Familie am 3. September 1956 in die Bundesrepublik Deutschland.

Max Georgi verstarb am 3. August 1966.

Am 17. Mai 1995 rehabilitierte die Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation Max Georgi als Opfer politischer Repressionen.

Weitere Dokumente

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Quellen

  • Archiv der sozialen Demokratie (AdsD), ZWA15527
  • BArch Berlin, DO1/32.0/39705 Jan54
  • BArch Berlin, DO1/32.0/39721 Apr53
  • BArch, MfS, G-SKS 300479
  • Hauptmilitärstaatsanwaltschaft der Russischen Föderation, 5ud-666-95
  • Justizvollzugsanstalt Brandenburg, 7/3650/Br.
  • Staatsarchiv der Russischen Föderation (GARF), f. 9409, op. 1, d. 458
  • Zentralarchiv des FSB (ZA FSB), P-3317

Veröffentlichungen

  • Der Freiheit verpflichtet. Gedenkbuch der deutschen Sozialdemokratie im 20. Jahrhundert, hrsg. vom Vorstand der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, Berlin 2013, S. 174 f
  • Wolfgang Buschfort, Das Ostbüro der SPD. Von der Gründung bis zur Berlin-Krise, München 1991, S. 109